Ankern an der Costa Brava, ohne das Neptungras zu schädigen
An der Costa Brava zu ankern, ohne das Neptungras zu schädigen, ist leicht, wenn Sie wissen, worauf Sie am Grund achten müssen und was die Vorschriften sagen. Seit April 2026 verbietet ein landesweites Real Decreto (spanische Rechtsverordnung) das Ankern über diesen Seegraswiesen – und auch die Ankerkette zählt. In diesem Ratgeber erklären wir, was Posidonia ist, wie Sie sie vom Boot aus erkennen, was in Bojenfeldern gilt, und geben Ihnen eine kurze Checkliste für das richtige Ankern.
Was Posidonia ist und warum sie geschützt ist
Posidonia oceanica, das Neptungras, ist keine Alge, sondern eine blühende Meerespflanze, die am Grund des Mittelmeers ausgedehnte Wiesen bildet. Sie wächst sehr langsam, hält den Sand fest und ist einer der Gründe, warum das Wasser an dieser Küste so klar ist. Zusammen mit einer weiteren Meerespflanze, der Cymodocea nodosa, steht sie im spanischen Verzeichnis besonders geschützter wildlebender Arten, und ihre Wiesen sind nach der europäischen FFH-Richtlinie ein prioritärer Lebensraum.
Ein Anker, der auf die Wiese fällt, reißt Pflanzen aus, und eine Kette, die bei jedem Schwojen des Bootes über den Grund schleift, erledigt den Rest. Deshalb achtet die Vorschrift nicht nur darauf, wo der Anker fällt.
Was das Real Decreto 191/2026 besagt
Das Real Decreto 191/2026 vom 11. März zum Schutz der Seegraswiesen im spanischen Mittelmeer ist seit dem 2. April 2026 in Kraft. In der Praxis regelt es drei Dinge:
- Es verbietet grundsätzlich das Ankern über den Wiesen von Posidonia oceanica und Cymodocea nodosa.
- Das Verbot gilt auch für nahe Sandflächen, wenn die Kette oder das Ankergeschirr auf der Wiese liegt oder sie beim Schwojen des Bootes berührt.
- Über den Wiesen darf nur festgemacht werden, und zwar an zugelassenen Systemen mit geringer Umweltbelastung, etwa an Einzelbojen oder in Bojenfeldern.
Die einzigen Ausnahmen sind höhere Gewalt oder eine Gefahr für Menschenleben oder die Sicherheit der Schifffahrt, außerdem genehmigte wissenschaftliche oder denkmalpflegerische Arbeiten.
Und die Bußgelder? Das Dekret legt keine eigenen Beträge fest, sondern verweist auf die Ley 42/2007 über das Naturerbe und die Biodiversität. Dieses Gesetz sieht Bußgelder ab 100 € für leichte Verstöße und deutlich höhere Beträge für schwere und sehr schwere Verstöße vor. Die Höhe hängt davon ab, wie der jeweilige Fall eingestuft wird.
In Katalonien hat die Generalitat (die katalanische Regionalregierung) zudem ein Protokoll für gute Ankerpraxis, das in dieselbe Richtung geht: am besten an einer Boje festmachen und, wenn keine da ist, auf Sand ankern, in einer Lichtung, die weit genug von der Wiese entfernt ist.
So erkennen Sie Posidonia vom Boot aus
Bei klarem Wasser an einem Sommertag lässt sie sich gut unterscheiden, vor allem bei hoch stehender Sonne:
- Sand: heller, gleichmäßiger Grund, von oben beige oder türkis.
- Posidonia: dunkle Flecken, fast schwarz oder dunkelgrün, oft mit unregelmäßigen Rändern. Aus der Nähe sieht man die langen, bandförmigen Blätter, die sich mit der Strömung bewegen.
- Fels: braune oder graue Flecken mit Relief. Auch kein guter Ankergrund: Der Anker hält schlecht und kann sich verhaken.
Im Zweifel genügt ein Blick über die Bordwand mit einer Taucherbrille oder ein kurzer Sprung ins Wasser vor dem Ankern, und die Frage ist in Sekunden geklärt. Bei trübem Wasser oder in der Abenddämmerung, wenn man den Grund nicht sieht, suchen Sie besser eine Boje oder eine Bucht, die Sie kennen.
Sand, Seegraswiese und der Schwojkreis
Ein Sandfleck allein reicht nicht: Er muss groß genug sein. Ein ankerndes Boot dreht sich je nach Wind um den Anker, und die Kette beschreibt einen Kreis am Grund. Berührt dieser Kreis die Wiese, verstoßen Sie gegen die Vorschrift, auch wenn der Anker im Sand liegt.
- Suchen Sie eine große Lichtung und werfen Sie den Anker zu ihrer Mitte hin, nicht an den Rand.
- Berechnen Sie den Schwojkreis: Je mehr Kette Sie stecken, desto größer wird er.
- Dreht der Wind, prüfen Sie, wo die Kette jetzt liegt.
- Holen Sie den Anker senkrecht auf, mit dem Boot direkt darüber, damit er nicht über den Grund schleift.
Das offizielle Buchten- und Hafenhandbuch der Costa Brava betont dasselbe: den Anker nie über den Grund ziehen und genug Raum zum Schwojen lassen.
Bojenfelder: festmachen, nicht ankern
In mehreren Buchten wurden Bojenfelder zum Schutz der Posidonia eingerichtet. Die Regel ist einfach: In einem Bojenfeld macht man an einer Boje fest und wirft keinen Anker.
- In den letzten Sommern haben die Gemeinden Palamós und Palafrugell kostenlose Bojenfelder für die Nutzung tagsüber eingerichtet, etwa bei den Illes Formigues, in der Cala s’Alguer, Cala Senià, Cala Massoni oder Cala Pedrosa. Laut dem Faltblatt der Gemeinde sind sie für Boote bis 8 Meter gedacht, für höchstens drei Stunden, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und ohne Übernachtung. Einige Bojen sind für die gewerbliche Nutzung reserviert, etwa für Tauchzentren.
- Vor Tamariu, Llafranc, Canadell und Port Pelegrí sieht der Nutzungsplan von Palafrugell für 2026 kostenpflichtige, konzessionierte Bojenfelder vor, mit einem andersfarbig markierten Bereich, der für Gastboote zur Miete nach Tagen oder Stunden reserviert ist.
Termine, Regeln und ob ein Bojenfeld überhaupt ausliegt, können sich von Saison zu Saison ändern. Prüfen Sie das vor dem Auslaufen oder fragen Sie uns.
Die Badebereiche
Im Sommer haben die Strände mit Bojen markierte Badebereiche, die mit dem Boot nicht befahren werden dürfen. Wo keine Markierung liegt, umfasst der Badebereich einen Streifen von 200 Metern vor Stränden und 50 Metern an der übrigen Küste. Darin darf man nicht schneller als 3 Knoten fahren und nichts ins Wasser einleiten. Wenn Sie nahe an der Grenze des Badebereichs ankern, lassen Sie genug Abstand, damit das Boot beim Schwojen nicht hineindreht.
Kurze Checkliste vor dem Ankern
- Gibt es ein Bojenfeld? Machen Sie an einer freien Boje fest und ankern Sie nicht.
- Sind Sie außerhalb des Badebereichs, mit genug Raum zum Schwojen?
- Sehen Sie hellen, gleichmäßigen Sand in einer großen Lichtung, ohne dunkle Flecken ringsum?
- Haben Sie den Grund im Zweifel mit der Taucherbrille geprüft?
- Haben Sie nur so viel Kette gesteckt, dass der Schwojkreis über Sand bleibt?
- Werden Sie den Anker senkrecht aufholen, ohne ihn über den Grund zu ziehen?
Wenn es Ihr erstes Mal ist und Sie nicht ständig auf den Grund achten möchten, ist eine Fahrt mit Skipper eine gute Wahl: Er kennt die Buchten und den Meeresgrund dieser Küste. Und wenn Sie Ankerplätze suchen, erklären wir in unserem Ratgeber zu den schönsten Buchten der Costa Brava mit dem Boot, wie man in jeder einzelnen ankert.
Häufige Fragen
Darf ich auf Sand ankern, wenn Posidonia in der Nähe ist?
Ja, solange weder Anker noch Kette die Wiese berühren, auch nicht beim Schwojen. Ist die Lichtung klein, suchen Sie eine andere oder machen Sie an einer Boje fest.
Gilt die Regel nur in Katalonien?
Nein. Das Real Decreto 191/2026 ist eine landesweite Vorschrift und gilt in den spanischen Mittelmeergewässern, einschließlich der Costa Brava.
Sind die Bojen kostenlos?
Das hängt vom Bojenfeld ab. Die Tagesbojen von Palamós und Palafrugell waren bisher kostenlos, die konzessionierten Felder vor einigen Stränden Palafrugells sind kostenpflichtig. Prüfen Sie die Bedingungen jeder Saison.
Kann man die Posidonia beim Schnorcheln sehen?
Ja, und es ist eine der besten Möglichkeiten zu verstehen, warum sie geschützt werden muss. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Schnorcheln mit dem Boot an der Costa Brava.
Fragen dazu, wo Sie auf Ihrer Route ankern können? Schreiben Sie uns über die Kontaktseite, und wir helfen Ihnen bei der Planung.
